Wieder mal zur Schwangerschaft

Im Januar habe ich eine neue Stelle angetreten, für die ich mich im Dezember beworben hatte. Der Grund war klar: Meine alte Schule, die nun wusste, dass ich schwanger bin, wollte mich nicht mehr, und hat mir klipp und klar gesagt, dass ich keine Vertragsverlängerung bekomme (ich berichtete ja bereits darüber). Als ich mich also für die neue Stelle bemühte, war ich noch nicht ganz “über den Berg”, also noch nicht ganz 12 Wochen schwanger, und wollte es nicht mitteilen. Das ist übrigens mein gutes Recht, bei einem Bewerbungsgespräch NICHT zu erwähnen, dass ich schwanger bin. Eigentlich sollte ich auch einsatzfähig sein in der Schwangerschaft, auch wenn aus den Augen der Schulleitung heraus, “die Schwangeren immer häufig fehlen”. Das mag zwar vielleicht sogar so sein, aber andere fehlen auch…

Kurz bevor ich die Stelle im Januar antrat, habe ich allerdings meine Schule über meine Schwangerschaft informiert, so dass ich erst gar nicht aufgrund der angeordneten betriebsärztlichen Untersuchung fehlen muss, sondern damit das alles vorher geklärt ist. Ich habe die Schulleitung informiert und somit Konflikte im Stundenplan vermieden, da ich weder Schwimmunterricht, noch Aufsichten in der Pause übernehmen darf.
Bei Vertragsunterzeichnung und Arbeitsantritt wurde ich super empfangen, alle haben mir gratuliert (es ist in der Schule Konsens, das Lehrerinnen, die schwanger sind, gar keine Pausenaufsicht haben und auch eine Freistunde bekommen, wenn sie im Offenen Ganztag tätig sind, daher war mein “Fall eindeutig”), mit zugesprochen und ich habe mich durchaus pudelwohl gefühlt. Ich bin gerne zur Schule gegangen, habe mich engagiert und alles lief gut.

Dann kam die Grippe. Auf meinen grippalen Infekt bekam ich eine Bronchitis, so dass ich fast zwei Wochen ausfiel. Das machte sich natürlich nicht gut, aber es hätte auch die Nicht-Schwangeren treffen können (und das hat es auch, der Krankenstand war unglaublich hoch zu dem Zeitpunkt).

Leider wurde mein Vater nochmals schwer krank um die Osterferien herum, und mich hat das ganze sehr stark belastet. Zudem wurde die Atmosphäre in der Schule immer “schlimmer”, weil die Qualitätsanalyse anstand und alle ihr bestes gaben, dabei aber fast am Stock gingen. Sowas ist grundsätzlich kein Zustand. Es kam soweit, dass ich bei meiner Hausärztin in Tränen ausbrach und sie sich die Zeit nahm mir gut zuzuhören. Ich sollte mal schauen, ob es in den Osterferien belastungstechnisch (Scheidung, Erinnerungen an eine sehr schlechte, Gewalt-beinhaltende Beziehung, Albträume, mein Papa, die Angst zu viel zu Fehlen und zu versagen) besser wird und mich sonst melden. Da dies nicht der Fall war, fehlte ich aus den o.g. Gründen also nach den Osterferien bis zum Start in den Mutterschutz (Mitte Mai). Das hatte nichts mit Schwangerschaft zu tun, auch wenn das natürlich auch ein Faktor für meine Ärztin war. Aber kurz und knapp fehlte ich wegen schwerer Belastung, und nicht “wegen Schwangerschaft”.

Am 8.5. nutzte ich die Gelegenheit, dass mein Freund da war um endlich meine Bücher aus der Schule abzuholen und meine Schlüssel abzugeben. Es war an der Zeit auch hier Abschied zu nehmen. Auch wenn ich gerne an der Förderschule Sprache gearbeitet habe, ich werde nicht wieder dorthin zurück gehen nach der Elternzeit, da ich selber nur einen Elternzeitvertretungsvertrag hatte.

 

Ich fand es schön meine Schülerinnen und Schüler zu sehen und auch meine Kolleginnen und Kollegen. Wir hatten nicht viel Zeit zum Quatschen, da ich vor Schulbeginn dort war, aber ich hoffe einige von ihnen mal wieder zu sehen. Dann reichte ich noch meine Schlüssel ein bei der Hausmeisterin und wollte mich noch kurz von der Schulleitung verabschieden, die mich dann in ihr Büro baten. Sie wollten mir zum Schluss noch mitteilen, dass sie sehr enttäuscht sein, dass ich bei meinem Bewerbungsgespräch nichts von der Schwangerschaft erwähnt hatte. Denn dann hätten sie sich doch anders entschieden. Ach nee, dachte ich mir, genau deshalb muss man es ja auch NICHT sagen, das nennt man Diskriminierung. Ich habe nur kurz gesagt, dass wir da ja andere Perspektiven haben und man auch meine Seite sehen müsste und mich dann nett verabschiedet. Fand es allerdings sehr schade, dass sie es für nötig hielten, mich darauf nochmal anzusprechen.

So schrieb ich in meinem Baby-Kriege-Blog vor ein paar Tagen. Die Aussagen der Schulleitung mal kurz gefasst:

  • Sie fanden es scheiße, dass ich ihnen nicht gesagt habe, dass ich schwanger bin, als ich mich beworben habe
  • Sie hätten sich für jemand anderen entschieden, wenn ich es gesagt hätte
  • Ihnen ist klar, dass Schwangere oft fehlen (sie haben nicht verstanden, dass ich aus anderen Gründen gefehlt habe)
  • Sie sind enttäuscht und wahrscheinlich brauche ich mich dort nie wieder zu bewerben

Schade, dass sie nicht verstehen, dass genau deshalb Gesetze in Kraft sind (zum Glück), um Schwangere zu schützen. Dass sie es echt für nötig gehalten haben, mich damit noch zu konfrontieren, wenn ich hochschwanger vorbeikomme, um mich zu verabschieden.

Was danach passierte, hat nicht unbedingt was mit diesem Gespräch zu tun. Aber manchmal frage ich mich schon, ob das nicht vielleicht doch auch ein Auslöser war. Wehen, geöffneter Muttermund und das in der 33. Schwangerschaftswoche. 10 Tage Krankenhaus, Lungenreifung, Wehenhemmer und Antibiose… Traurig gemacht hat es mich. Und so beende ich den Post hier mit:

In was für einer Gesellschaft leben wir denn eigentlich???

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Ein kleines Lebenszeichen!

Ich habe schon lange nichts mehr geschrieben, das liegt leider an meinen persönlichen Umständen. Damit meine ich nicht (nur) die Schwangerschaft, aber auch meinem Vater geht es weiterhin nicht gut. In wenigen Wochen steht der Mutterschutz an und dann bin ich vorerst raus aus der Vertretungsschiene. Ich danke daher erstmal allen Leser_innen und hoffe, hier dennoch ab und zu ein bisschen was zu sagen!

Mündliches Erzählen in der Schule

Vor kurzem habe ich ein sehr interessantes Seminar zum Thema Erzählen in der Schule (Schwerpunkt war hier der Primarbereich) gehabt, das mich doch noch mehr dafür sensibilisiert hab, dass viel in der Schule einfach nur zum Schreiben gemacht wird. Und auch hier wurde, insbesondere in der Literatur, immer wieder darauf hingewiesen, dass mündliches Erzählen nicht (immer) als Vorschritt zum Verschriftlichen gesehen werden sollte.

Mündliches Erzählen in der Schule sollte….

  • einer klaren Unterscheidung zwischen Erzählen 1 und Erzählen 2 (nach Ehlich) unterliegen: Erzählen 1 ist ein Oberbegriff und enthält das Alltagserzählen, wie berichten, erzählen, mitteilen, etc. Erzählen 2 unterliegt einer Struktur, und richtet sich normalerweise nach der Normalform, also einer Höhepunkterzählung mit den Elementen der Exposition/Orientierung, Komplikation, Evalutation, Resultat und Koda: Nur wer sich dessen bewusst ist, kann auch dementsprechend handeln in der Schule.
  • nicht durch den Morgenkreis ersetzt werden. Man sollte sich gut überlegen, was die Intention ist, hinter den ganzen Erzähl- und Morgenkreisen.
  • ein klarer Inhalt sein in der Schule. Meistens sind es dann doch Unterrichtsreihen, die direkt zum mündlichen Erzählen gemacht werden, aber ich finde, man sollte schon die Zeit finden einen mündlichen Erzählblock pro Woche einzubringen. Das kann ja als Teil der freien Arbeit sein, aber auch als festgelegter Stundenplanblock.
  • muss nicht immer mit dem Lehrer/der Lehrerin sein. Im Gegenteil, Erzählen ist alltäglich, Schule nicht. Da sollten wir die Kontrollfunktion aufgeben und uns auch mal zurückziehen können. Dazu bieten sich kleine Erzählteppiche z.B. an, wo sich 2 SuS etwas erzählen, ohne, dass alle zuhören.
  • ist auch Aufgabe des Lehrers. Das freie Erzählen sollte auch vom Lehrer/der Lehrerin modelliert und angewandt werden. Kein Buch. Sondern wirkliches mündliches Erzählen. Dazu gibt es tolle Beispiele von Claus Claussen.

Ich habe deutlich mehr mitgenommen aus dem Seminar, aber heute mal dies auf die Schnelle.

Eine Frage zum Schluss, die euch entweder zum Nachdenken oder zum Kommentieren anregen soll: Wie wird bei euch in der Schule/in der Einrichtung mündliches Erzählen gefördert?

Neue Schule, neues Glück

Nun bin ich seit letzter Woche Dienstag an meiner neuen Schule. An 2 verschiedenen Standorten, aber immerhin ohne Pendelei, sondern lediglich an einem Tag die Woche bin ich an der Außenstelle und habe dort die “Klassenführung” einer 4. Klasse für den Tag.

Bisher läuft alles super. Ankommen bedeutet dort genau das: Ankommen. Umschauen, hospitieren und kennenlernen. Das ist echt gut. Bin nun allerdings in einer Vertretung in meiner Stufe, in der 3. Klasse, aber das finde ich gut. Wenn man dann doch Berufserfahrung hat, wird hospitieren schnell langweilig. Am Wochenende plane ich alles zu Ende und nächste Woche geht es los. Dazu dann später mehr!

Ein Abschied oder Ein Post, in dem ich mich noch einmal erbrechen muss!

Donnerstag war mein letzter Tag. Ein langer Tag. Schon nach meiner Rückkehr nach den Ferien wurde ich erneut gefragt, ob ich nicht doch noch eine Woche länger bleiben würde! Dass die Kollegin ja eine Woche später entbunden hat, und das jetzt formlos möglich wäre. Und dann müsste man ja nicht einen Vertretungsplan machen für die Qualitätsanalyse!!

Moment, dachte ich…. im Ernst?

  • Ihr verlängert meinen Vertrag nicht, weil ich SCHWANGER bin? ABER:
  • Ihr wollt, dass ich mich aufopfere und die stressige QA noch für euch mit mache?

So als Gefallen? Erm, NEIN! Dann bot sich der Schulleiter sogar noch an meine neue Schule anzurufen und zu fragen. Ich konnte nicht mal richtig reagieren und habe dann per Email meine Meinung dazu geschrieben.

Am letzten Tag also fragt der Schulleiter ganz verwundert, ob nun heute mein letzter Tag sei. Ich bejahte und er stand auf und hielt eine halbherzige Ansprache …. Danke für meinen Einsatz und dann der Hammer:

–> Auch wenn es nicht immer einfach war!!!!

Da wird alles in den Schatten gestellt, weil ich gefehlt habe aufgrund der Schwangerschaft! Nicht einmal hat er meinen Unterricht gesehen… nicht eine Kollegin hat meinen Unterricht angezweifelt. Ich habe mich bedankt und keinen Ton gesagt.

Ich bin immer noch wütend, wenn ich daran denke.
Kolleginnen haben sich verabschiedet und bedauern es sehr, dass ich weg bin. Andere sagen sogar, dass es besser ist (denn es gibt intern Zoff und der SL hält es nicht aus). Schülerinnen und Schüler haben mir Bilder und Briefe geschenkt, mich umarmt und sich ausgiebig verabschiedet. Und das werde ich in Erinnerung behalten.

Informationstechnologien in der Grundschule – aktueller Stand

In vielen Schulen gibt es Computer. Wahrscheinlich sogar an allen. Zumindest bisher an all den Schulen, wo ich gearbeitet habe. Computerräume gibt es eher nicht mehr, aber manche Schulen, insbesondere Sekundarschulen, bevorzugen solche Modelle. Aber das, was am meisten gesehen wird, ist das: Eine Klasse mit 23-30 Schülerinnen und Schülern (SuS), hinten zwei Rechner und ein Drucker. Der Drucker ist in den mir bisher vorgekommenen Klassen nie funktionstüchtig; entweder es fehlen neue Druckerpatronen, die die Schule gerade nicht mehr hat, oder er ist halt kaputt.

Die Frage ist, was will man mit solchen Rechnern in der Klasse….. 2 Computer für 30 SuS oder durchschnittlich 25 SuS ist grundsätzlich kein guter Ansatz. Meistens sehe ich die Computer in solchen Klassen:

  • unbenutzt
  • vom Strom genommen
  • kaputt
  • ohne Maus (kaputt) oder Keyboard (kaputt)

Das heißt, dass die SuS in den deutschen Grundschulen oft nicht mit den Computern arbeiten. Aber manchmal tun sie das doch. Dann machen sie oft das hier:

  • Antolin: Das Leseprogramm mit Fragen zu Büchern, etc.
  • Lernwerkstatt: Lernspiele, meistens auch echt darauf beschränkt, da Fachlehrer die Fachoptionen nicht einrichten.
  • Spielen

Schade. Denn so gibt es mittlerweile doch deutlich mehr Dinge, die die SuS mit diesen Rechnern machen könnten. Und was tun diese unbeweglichen, oft veralteten Rechner in der Schule?

Was man alles machen könnte, dazu komme ich später nochmal… aber wie sieht es bei euch in der Schule aus? Wie werden Computer und/oder andere Devices genutzt? Was gibt es alles?

Deutsch als Zweitsprache / DAZ Unterricht in der Grundschule

Als Grundschullehrerin in Deutschland bin ich relativ froh darüber eine DAZ Ausbildung gemacht zu haben. Auch an den internationalen Schulen, wo auf Englisch unterrichtet wurde, war ich froh, dass ich eine EAL/ESL (English as an additional/second language) Ausbildung habe. Da hatte ich allerdings auch nur 8-12 Schülerinnen und Schüler in einer Klasse, die ich in allen Fächern unterrichtet habe, und somit war die Sprachförderung ganzheitlich und fächerübergreifend.

Momentan habe ich zwei Klassen, bei denen ich den DAZ Unterricht übernommen habe. Das, was mich daran am meisten stört ist, dass es sich dabei um die Kinder handelt, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen.
Warum das problematisch ist?

  • Es nehmen Kinder, die eigentlich auch am DAZ Unterricht Bedarf haben, am Religionsunterricht teil.
  • Es nehmen Kinder am DAZ Unterricht teil, die keinen wirklichen Bedarf haben.

Jetzt ist es schon mehrmals im Kollegium erwähnt worden, dass DAZ Unterricht nicht mehr parallel, sondern zusätzlich stattfinden soll. Was meiner Meinung nach aber noch viel wichtiger ist, als eine Stunde Förderung die Woche, sind folgende Punkte:

  • Jede_r Lehrer_in ist essentiell auch Sprachlehrer_in: Das heißt, dass diejenigen, die Fachunterricht geben, wie Mathematik, Sachunterricht, aber auch Englisch oder sonstiges, auch sensibilisiert für den Spracherwerb bzw. die Sprachentwicklung dieser SuS sein müssen und dies in ihre Planung mit einbeziehen sollen.
  • DAZ Unterricht sollte nicht nach Alter, sondern nach Entwicklung getrennt sein. SuS, die gerade erst nach Deutschland gezogen sind, fühlen sich im Sprachunterricht mit schon-Aufsatz-schreibenden SuS nicht so wohl. Da sollte man an homogenere Gruppen denken.
  • DAZ Unterricht sollte je nach Bedarf täglich stattfinden und er sollte in den Stundenplan verankert sein. Das bezieht sich auch wieder auf Punkt 1.

Wie schaut es bei euch an der Schule aus? Gibt es DAZ Unterricht? Gibt es Besonderheiten?